323 Krankheitstage durch Psyche – Ihr Unternehmen macht krank

Die Zahl ist eine Anklage: Auf 100 versicherte Arbeitnehmer kamen im letzten Jahr 323 Fehltage aufgrund psychischer Probleme. Das ist ein Rekordwert. Das ist eine Steigerung von über 50 % in den letzten zehn Jahren. Und das ist ein klares Signal an jede Führungsetage in diesem Land: Ihre Art zu wirtschaften, Ihre Art zu führen, Ihre Art, Arbeit zu organisieren, macht einen wachsenden Teil Ihrer Belegschaft krank. Wir können nicht länger über die Symptome diskutieren und die Ursachen ignorieren. Die explodierenden psychisch bedingten Fehltage sind eine direkte Folge von Management-Versäumnissen.

Das Ende der Ausreden: Es ist die Arbeit, Dummkopf!

Jahrelang wurde die Zunahme psychischer Erkrankungen mit der gestiegenen Sensibilität oder einer besseren Diagnostik erklärt. Das mag ein Teil der Wahrheit sein, aber es ist längst nicht die ganze. Die Daten der Krankenkassen zeigen ein Muster, das direkt in die Betriebe weist.

  • Hauptdiagnose Depression und Anpassungsstörungen: Depressionen sind der wichtigste einzelne Krankschreibungsgrund. Stark zugenommen haben aber vor allem Anpassungsstörungen – also Reaktionen auf konkrete, identifizierbare Belastungssituationen. Oft sind das Konflikte am Arbeitsplatz, Mobbing oder eben chronische Überlastung.
  • Branchen-Hotspots: Am stärksten betroffen sind Branchen mit hohem Stresslevel und Personalmangel, wie das Gesundheitswesen (472 Fehltage) und die öffentliche Verwaltung (378 Fehltage). Hier entsteht ein Teufelskreis: Weniger Personal führt zu mehr Druck, was zu mehr Ausfällen führt, was den Druck auf die Verbliebenen weiter erhöht.

Die Beweislage ist erdrückend. Die Arbeitsbedingungen sind ein entscheidender Faktor für die psychische Gesundheit.

Die gesetzliche Pflicht, die seit 10 Jahren ignoriert wird

Es ist ja nicht so, dass der Gesetzgeber untätig wäre. Seit über einem Jahrzehnt (2013) sind Unternehmen explizit verpflichtet, im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung auch psychische Belastungen zu analysieren und Schutzmaßnahmen zu ergreifen (GBU-Psych). Doch wie in Artikel 3 beschrieben, wird diese Pflicht von einem Drittel der Betriebe schlichtweg ignoriert. Diese andauernde Vernachlässigung ist ein Skandal. Sie ist der Beweis, dass die psychische Gesundheit von Mitarbeitern in vielen Unternehmen immer noch als weicher „Nice-to-have“-Faktor und nicht als harter, gesetzlich verankerter Bestandteil des Arbeitsschutzes gesehen wird. Man kann es nicht anders sagen: Es ist vorsätzliche Ignoranz mit Ansage.

Ihre Verantwortung, Ihr Handlungsdruck

Die Rekord-Fehltage sind kein Schicksal, sie sind ein Handlungsauftrag. Als Unternehmer oder Führungskraft haben Sie den größten Hebel, um diese Entwicklung zu stoppen.

  1. Führen Sie die GBU-Psych. endlich konsequent durch: Hören Sie auf, sich wegzuducken. Analysieren Sie Ihre Arbeitsorganisation. Identifizieren Sie Stressoren wie ständige Unterbrechungen, unklare Ziele oder schlechte Führung und beseitigen Sie diese.
  2. Definieren Sie gesunde Arbeit als strategisches Ziel: Machen Sie die Reduzierung psychischer Belastungen zu einem messbaren Unternehmensziel. Verankern Sie es in den Zielvereinbarungen Ihrer Führungskräfte.
  3. Stärken Sie die Gesundheitskompetenz: Schulen Sie Führungskräfte und Mitarbeiter darin, erste Anzeichen von psychischer Überlastung bei sich und anderen zu erkennen. Schaffen Sie eine Kultur, in der es normal ist, über Stress zu sprechen und sich Hilfe zu holen.

Hören Sie auf, die Verantwortung für die Gesundheit Ihrer Mitarbeiter zu externalisieren. Sie beginnt nicht beim Arzt, sie beginnt in Ihrem Unternehmen, an jedem einzelnen Arbeitstag. Die Zahl 323 ist mehr als eine Statistik. Sie ist Ihr unternehmerisches Zeugnis. Und aktuell lautet die Note: mangelhaft.

weitere Artikel

Zufriedenheit sinkt trotz Fachkräftemangel: Das Paradox

Zufriedenheit und Engagement sind nicht dasselbe und dieses Missverständnis kann Ihr Unternehmen teuer zu stehen kommen. 54 % der Mitarbeiter sind zwar mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden, doch 78 % leisten nur Dienst nach Vorschrift. In Zeiten des Fachkräftemangels ist es entscheidend, die emotionale Bindung Ihrer Mitarbeiter zu fördern. Erfahren Sie, warum eine zufriedene, aber unengagierte Belegschaft gefährlich ist, und wie Sie durch gute Führung, Sinnhaftigkeit und Wertschätzung das volle Potenzial Ihrer Mitarbeiter fördern können. Entdecken Sie die Schlüssel zu echtem Engagement!

Read more >

Azubi-Recruiting mit Social Media: Generation Z richtig ansprechen

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist alarmierend: Fast die Hälfte der Ausbildungsbetriebe kann 2024 ihre Stellen nicht besetzen. Der Schlüssel liegt in der Ansprache der Generation Z über Social Media. Klassische Anzeigen sind passé! Unternehmen müssen authentische Inhalte erstellen, die die junge Zielgruppe ansprechen. Azubis als Markenbotschafter bieten eine glaubwürdige Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen. Erfahren Sie, wie Sie Ihre Recruiting-Strategien modernisieren können!

Read more >